BIOGRAFISCHES

              VITA

Klaus Küster

*1941 in Remscheid-Lennep.
In den 1960er Jahren Besuch von Kursen
an der École des Beaux-Arts Paris und der
Werkkunstschule Wuppertal; ab 1969
Grafiker und Fotograf in und für
Werbeagenturen; ab 1969 Atelier in der
Remscheider Ewaldstraße; gegen Ende
1969 nur noch freiberufliche Tätigkeit als
Maler, Fotograf, Bühnenbildner (WTT
Westdeutsches Tournee-Theater Remscheid)
und Grafiker (bekanntes Arbeitsbeispiel:
das alte „Ketten“-Logo von
Amnesty International; 1971 Entwicklung
der Methode des Küstereogramms; 1989
Lehrauftrag für das Typographie-Seminar
der Akademie Remscheid; 1992-1993
Kuratierung der ersten Ausstellungen der
Städtischen Galerie Remscheid; 1995
Gründung der Schule für Gestaltung und
der Galerie ART&RAT; 1996 Berufung in
den Deutschen Werkbund und den
Westdeutschen Künstlerbund; 1998
Mitglied der „gfg gruppe für gestaltung“
um Prof. Rolf Glasmeier; 1998-2006
Leitung der Galerie der Stadt Remscheid;
2006 Galeristische Zusammenarbeit mit 
Prof. Knut Wolfgang Maron, Zone E und
Zone B; 2008 Lehrauftrag für das Typographie-
Seminar der Wilhelm-Wagenfeld-Schule,
Bremen; 2015-16 Remscheid, Burger Str.
11, Betrieb der „Central.Galerie“ am
Centralpunkt; 2019 50 Jahre Atelier
in der Remscheider Ewaldstraße.

AUSSTELLUNGSCHRONIK

Abbildungen sind mit der Browserlupe vergrößerbar.  (Bildquelle Startbild)

AUSSTELLUNGSCHRONIK als pdf

Created with Sketch.

Meine Ausstellungschronik der Einzel- und Gruppenausstellungen ist als pdf-Datei zusammengefasst und zur Ansicht/ zum herunterladen (download). K.K.

AUSSTELLUNGSCHRONIK-pdf (Stand: 1. Quartal 2020)

ÖFFENTLICHE SAMMLUNGEN

Created with Sketch.

Museo de Valladolid (ES);

Städtischer Kunstbesitz und Graphothek, Remscheid;

Von der Heydt-Museum Wuppertal;

Staatliche Kunstsammlungen NRW, Düsseldorf;

Internationales Plakatmuseum, Warschau-Wilanow, (PL);

Internationales Plakatmuseum, Lahti, (FI);

Deutsches Plakatmuseum, Essen;
Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Saarlouis;

Emschertal-Museum, Herne;

Museen der Stadt und Grafothek, Lüdenscheid;

Städtisches Museum, Gladbeck;

Museum für Alltagskultur des Werkbund-Archivs, Berlin;

Museum Bochum, Städtische Slg., Bochum;

Städtische Sammlung, Radevormwald;

u.a.

INTENTION und TECHNIK

Created with Sketch.

Claudia Rinke im Katalog zur Wanderausstellung Expanding Photography
des Westdeutschen Künstlerbundes 2015 - 2017.

Klaus Küster ist ein Beobachter und Sammler der kleinen 
Dinge des Alltags, von Situationen und Konstellationen, die man 
im Vorbeigehen übersehen würde und die oftmals eine besondere 
Schönheit, aber auch eine gewisse Komik besitzen. Seine Arbeiten 
lassen sich nicht einem bestimmten Genre zuordnen; 
er realisiert seine Ideen sowohl in der Zeichnung, der Malerei, 
Grafik, Skulptur und Fotografie. 
Oft sind seine Arbeiten ironische Kommentare zu den Dingen 
und Ereignissen des Lebens. Die Freude des Künstlers beim 
Experimentieren, beim Suchen und Finden der Bildideen 
und sein feinsinniger Humor sind in allen Werken spürbar.

Seit den 1970er Jahren arbeitet er mit der Technik des Fotogramms, 
wobei er eine ganz spezielle Bearbeitungstechnik entwickelt 
hat und diese Werke daher als "Küstereogramme" benannt: 
Er bearbeitet die Vorder- und/oder Rückseiten von unbelichteten 
Fotopapieren durch Knickungen, Prägungen, Lochungen und 
Frottagen. Durch diese mechanischen Einflussnahmen wird das 
Fotomaterial vorgeformt. Danach werden die Papiere aus einem 
vorher bestimmten Winkel kurz belichtet, oft nur mit dem Licht 
eines aufflammenden Feuerzeuges. Die Erhebungen, welche durch 
die vorherige Bearbeitung entstanden sind, werfen nun einen 
Schatten und werden bei der Entwicklung in ihr helles Gegenteil 
verkehrt. Bei den Küstereogrammen wird das Fotopapier 
selbst zum plastischen Bild und der fotografisch erzeugte Schatten 
verstärkt illusionistisch die Wahrnehmung einer Räumlichkeit, 
deren Dreidimensionalität hier aber nun keine Illusion mehr ist.

Auch in seinen "Fotoscultura" benannten Arbeiten beschäftigt sich 
Klaus Küster mit der illusionistischen Wahrnehmung von Räumlichkeit, 
Tiefenwirkung und Oberflächen in der Fotografie. Dafür fotografiert 
er verschiedene Oberflächen, Gegenstände und vorgefundene 
Situationen. Den Foto-Ink-Prints fügt er manchmal kleine Fundstücke 
hinzu, die sich so in die Abbildung einpassen, dass sie auf den 
ersten Blick nicht als Ergänzung wahrgenommen werden. 
Bei anderen Werken schneidet er einen winzigen Teil des Bildes aus. 
Meist handelt es sich bei diesen Aussparungen um dunkle Löcher. 
Die bearbeiteten Ink-Prints werden dann in einem Abstand 
von ca. 10 mm vor eine schwarze Fläche gesetzt. Die illusionistische 
Räumlichkeit des Fotobildes wird so um eine reale Tiefenräumlichkeit 
erweitert. Und auch hier ist der Betrachter dazu aufgefordert einmal 
mehr hinzuschauen und seine Sehgewohnheiten zu hinterfragen. 
Eine besondere Form der "Fotoscultura" bilden die Arbeiten "Credo": 
Hier hat der Künstler in handelsübliche transparente Plastikkanister 
je einen Holzkasten eingesetzt, der oben mal ein kreisrundes und 
mal ein rechteckiges Loch aufweist. Durch dieses Loch fällt ein 
Lichtstrahl auf die Rückwand des Kastens und lässt dort ein Gebilde 
aus Licht und Schatten entstehen. Doch auch hier führt uns der Künstler 
mit einfachen Tricks - wortwörtlich - hinters Licht. Das, was wir 
als aktuelles, reales Lichtspiel zu erkennen glauben, 
ist eine Fotografie, die zeigt, wie das Licht einmal genau dort seinen
Schein hinterlassen hat. Vergangenheit und Gegenwart treffen 
sich hier im immateriellen Spiel des Lichts und werfen Fragen 
der Grenzen unserer Wahrnehmung auf.                                            C.R.


Weiterführende Links:


       
      Ausstellungskatalog, Westdeutscher Künstlerbund, der Grafikerin Judith Anna Rüther.
      Auszeichnung des Katalogs durch den Type Directors Club New York

.

       




"Bild-Sein"

Text von Dr. Andreas Steffens.


Bilanzen sind vorläufig. Die Geschäfte gehen weiter. 
Desto erfolgreicher, je gründlicher sie ausfallen.

Was beim Geschäftemacher zur Bereicherung
führt, wird beim Künstler zum Gewinn der
Anreicherung seines Werkes. Auf das Geleistete
zurückzublicken, lässt sichtbar werden, was
noch zu tun bleibt.

Mit der zweiten Fortsetzung des ‚Albums‘
„Andere Ansichten“ wird unübersehbar, daß
Küsters Rückblick auf die Jahrzehnte seiner
Lebensarbeit keine Schluß–, sondern eine Zwischenbilanz
war. Das Alter hätte er. Aber mit
einem ‚Alterswerk‘ hat das, was diese Dokumentation
präsentiert, nichts zu tun. Keine Spur
von Ermüdung und Selbstwiederholung. Nichts
von routinierter Fortsetzung dessen, was die
Lebensarbeit eintrug. Kein selbstzufriedener
Leerlauf in Formeln erstarrter Virtuosität. Was
Werkrückschau schien, erweist sich als work in progress.

Der Bildkünstler Klaus Küster ist alterslos.
Nicht zu ermüdende Neugier, Entdeckungslust
und Formungsdrang lassen ihn sein Lebenswerk
in bruchloser Kontinuität schlicht fortsetzen.
Statt auf seine ästhetische Lebensleistung
behaglich zurückzuschauen, arbeitet er weiter.
Was auch sonst sollte ein produktiver Mensch,
der über seine Fertigkeiten uneingeschränkt,
und Vitalität an Körper und Geist ausreichend
verfügt, auch tun? Die Erfüllung der Rentnerpflichten,
wie den Garten bestellen, Enkel verwöhnen und
Fernreisen machen, erledigt er nebenher.

Die Fotografie trennt als Bildkunst von der
Malerei, daß ihr die materielle Gegenwart
als ein ‚Ding‘ verwehrt bleibt. Sie füllt keinen
Raum. Bleibt ohne die ertastbare Plastizität,
die einer Sache die Gewißheit ihrer Wirklichkeit
als sinnliche Anwesenheit verleiht. Sie ist
reine Oberfläche. Das treibt ihren Anspruch,
eine Kunst zu sein, dazu, ihre Bilder in immer
größeren Formaten zu präsentieren, in deren
Monumentalität das im Bild Erscheinende
größer ist als seine Eigenrealität.

Die neuen Arbeiten, die hier versammelt sind,
zeigen die Virtuosität, mit der Küster dieses
Manko wettzumachen weiß. Dazu genügen
ihm handliche Miniaturen. Das materielle
Beinahe-Nichts des planen Papierabzugs, das
elektronische Nichts des digitalen Pixelbildes
auf dem Bildschirm, bannen die Fotografie in
den Raum der Illusionen. Küster gelingt es,
darüber hinauszugreifen. Mit der Wendung,
der Raumillusion des fotografischen Bildes
einen Realraum zu hinterlegen, indem es zum
materiellen Bestandteil eines existierenden
‚wirklichen‘ Dinges gemacht wird, dessen
eigene Gestalt der Illusion der Wirklichkeit, die
das Bild zeigt, angepaßt ist.






In der Geschichte der Fotografie ist diese
Wendung einzigartig. Die ‚Fotoskulpturen‘
ermöglichen das dem Medium Fotografie
Unmögliche, und verschaffen seinen Bilderzeugnissen
materielle Anwesenheit in der‚ Realwelt‘,
die sie nur zeigen können, ohne an deren Wirklichkeit
Anteil zu haben.  Das ‚Nichts‘ des Bildes gewinnt eigene Gestalt,
und wird zu ‚etwas‘. Es lässt sich nun nicht mehr
nur betrachten, sondern – im Wortsinn – auch begreifen.

Sie widerlegen als materielle Gegebenheiten
den thomasischen Zweifel an der Wirklichkeit
dessen, was das Bild ansichtig macht. Ein Loch
in der Wand etwa, die das Foto zeigt, gibt es
in ihm und dem Bildträger seines Abzuges
wirklich. Ertastbar. Der Blick wird handgreiflich.
Seine Darstellung im Bild erfüllt das haptische
Begehren, sich seiner Wirklichkeit zu vergewissern.

Aus dem ästhetischen Spiel mit den Täuschungen
und Illusionen werden materielle Anwesenheiten.
Das Unmögliche wird wahr, und das fotografische
Bild zum Ding, von dem die reine Oberflächlichkeit
 seiner Anschaulichkeit nur träumen kann.

Es wäre an der Zeit, diese einzigartige ästhetische
Errungenschaft mit metierhistorischer
Aufmerksamkeit gewürdigt zu finden. Nahezu
unbemerkt, ereignet sich hier ein Stück ‚Fortschritt‘
in der Geschichte der Fotografie und
ihrer Möglichkeiten. Die Fotoskulpturen holen
in die Höhlen des Sehens die Gegenständlichkeit
der Außenwelt herein, von denen die
Bilder des Kameraauges nur erzählen können.
Das Bild wird Teil der Anwesenheit dessen,
wovon es erzählt. Seine Vortäuschung beweist,
daß es gibt, was sie zeigt. Das Sein, das es
sonst nur als Schein einer Anwesenheit bezeugen
kann, wird zu seiner eigenen Eigenschaft.
Dies gelingt durch den paradoxalen Kunstgriff,
Wirkliches zum Teil seines Bildes zu machen:
durch Täuschung zu ent-täuschen.

Nun kann es seinem Betrachter, der es nun
auch begreifen kann, bedeuten: ich bin nicht,
was du in mir siehst; aber ich bin etwas. Bilder
von etwas werden zum Etwas eines Bildes.

So retten ihre Bilder die Wirklichkeit vor ihrem
Verschwinden in ihren Bildern. Die analoge
Aufbereitung seiner digitalen Konstitution
bewahrt das Bild davor, in der Vortäuschung
dessen selbst unterzugehen, was es zu zeigen
scheint. Mit den Mitteln seiner Auslöschung in
den irrealen Bildern des abwesenden Wirklichen
rettet dieser Kunst-Griff das Bewußtsein
vor dem Verlust dessen, wovon es Bewußtsein
ist. Es gibt, was die Bilder zeigen. Diese zeigen das.



Dieser Text als pdf-Datei.


Der Text...

...von Andreas Steffens ist der Einführungstext zum Bildband
"Andere ANSICHTEN.Album 2019 Fortsetzung 2014".
Informationen zu den insgesamt 3 Bildbänden sind auf MED!EN.